Bioland

Herausgeber:
Bioland e.V. Verband für organisch-biologischen Landbau
Kaiserstr. 18, 55116 Mainz
Tel.: 06131/23979-0
Fax: 06131/23979-27
E-Mail: info@bioland.de
Internet: www.bioland.de

1 Vorwort

„Keine naturwidrige Handlung bleibt ohne Folgen.
Kein natürliches Prinzip kann man unbestraft verletzen,
keine natürliche Ordnung beseitigen ohne Gefahr für sich
selbst. Die Einordnung des Menschen in die Ordnungen der
Schöpfung ist eine unabdingbare Voraussetzung für sein
Leben.“ Dr. H. P. Rusch
Dr. Hans Müller und Dr. Hans Peter Rusch begründeten
mit ihren Arbeiten über die Pflege des Bodens und die
Erhaltung seiner langfristigen Fruchtbarkeit die organischbiologische
Landbaumethode.
Diese beruht auf einer genauen Beachtung biologischer
Wirkungszusammenhänge zwischen Boden – Pflanze –
Tier und Mensch, mit dem Ziel einer optimalen Pflege biologischer
Regelsysteme im landwirtschaftlichen Bereich.
Landwirtschaftliche Produkte werden innerhalb des möglichst
geschlossenen Betriebskreislaufes im Sinne einer
echten Urproduktion erzeugt. Die gemeinschaftliche
Aufgabe des organisch-biologischen Anbaus besteht darin:
 Die natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und
Luft zu pflegen.
 Lebensmittel mit hohem gesundheitlichen Wert zu
erzeugen.
 Aktiven Natur- und Artenschutz zu betreiben.
 Umweltbelastungen zu vermeiden.
 Nutztiere artgerecht zu halten.
 Einen Beitrag zu leisten zur Lösung der weltweiten
Energie- und Rohstoffprobleme.
 Die Grundlage für die Erhaltung und Entwicklung freier
bäuerlicher Strukturen zu schaffen.
Jahrzehntelang haben Bauern nach den Erkenntnissen von
Dr. Müller und Dr. Rusch gearbeitet und diese gemeinsam
in der Praxis weiterentwickelt. Dadurch ist es ihnen in
ihren Bereichen gelungen, den negativen Auswirkungen
der Agrar- und Gesellschaftspolitik zu begegnen, eine
umweltgerechte Landwirtschaft zu betreiben und in
Zusammenarbeit mit Verarbeitern und Verbrauchern die
Vernichtung bäuerlicher Existenzen aufzuhalten.
Diese Bauern, Gärtner, Winzer und Imker haben sich in der
Bundesrepublik Deutschland zum BIOLAND e.V. Verband
für organisch-biologischen Landbau (im weiteren Text

„BIOLAND“ genannt) zusammengeschlossen und die vorliegenden
Richtlinien erarbeitet

Die Richtlinien sollen die Anwendung der organisch-biologischen
Landbaumethode im Detail erklären, die Umstellung
auf diese Wirtschaftsweise beschreiben und die
Überprüfung des so definierten Anbaus ermöglichen.
An dem gemeinsamen Ziel der Erhaltung unserer natürlichen
Lebensgrundlagen weiterzuarbeiten und die Richtlinien
entsprechend dem neuesten Erkenntnisstand zu verbessern,
bleibt Aufgabe der bei BIOLAND zusammengeschlossenen
Menschen.

EG-Verordnung zum ökologischen Landbau
Bei der Gestaltung dieser Richtlinien wurden die
„Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007
über die ökologische/biologische Produktion und die
Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen“
und die „Verordnung (EG) Nr. 889/2008 der Kommission vom
5. September 2008 mit Durchführungsvorschriften zur
Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates über die ökologische/
biologische Produktion und die Kennzeichnung von
ökologischen/biologischen Erzeugnissen hinsichtlich der
ökologischen/biologischen Produktion, Kennzeichnung und
Kontrolle“ und deren Änderungsverordnungen berücksichtigt.
BIOLAND-Vertragsbetriebe sind zur Einhaltung der
Vorgaben dieser EG-Verordnungen in ihrer jeweils gültigen
Fassung verpflichtet.

‚Hinweis
Wird im folgenden Text die Verwendung der Marke BIOLAND
angesprochen, ist gleichermaßen die Verwendung
des Verbandsnamens BIOLAND einbezogen.

2 Grundsätzliche Bestimmungen

2.1 Gentechnik

2.1.1 Ausschluss der Gentechnik

Genetisch veränderte Organismen (GVO) und deren
Derivate sind mit der ökologischen Wirtschaftsweise
unvereinbar.
Die Erzeugnisse, die gemäss den BIOLAND-Richtlinien
erzeugt werden, müssen ohne Verwendung von genetisch
veränderten Organismen (GVO) und/oder GVO-Derivaten
hergestellt werden.

2.1.2 Begriffsbestimmungen

Ein „genetisch veränderter Organismus (GVO)“ ist jeder
Organismus gemäß der Begriffsbestimmung von Artikel 2
der Richtlinie 90/220/EWG des Rates vom 23. April 1990
über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter
Organismen in die Umwelt. Ein „GVO-Derivat“ ist jeder
Stoff, der aus oder durch GVO erzeugt wird, jedoch keine
GVO enthält. „Verwendung von GVO und GVO-Derivaten“
bedeutet die Verwendung derselben als Lebensmittel,
Lebensmittelzutaten, (einschließlich Zusatzstoffe und
Aromen), Verarbeitungshilfsstoffe (einschließlich
Extraktionslösungsmittel), Futtermittel, Mischfuttermittel,
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse, Futtermittel-Zusatzstoffe,
Verarbeitungshilfsstoffe für Futtermittel, bestimmte
Erzeugnisse für die Tierernährung, Pflanzenschutzmittel,
Düngemittel, Bodenverbesserer, Saatgut, vegetatives
Vermehrungsgut und Tiere.

2.2 Standort

2.2.1 Standortauswahl

Bei der Standortwahl ist die Belastung durch Schadstoffe
aus der Umwelt und aus der vorherigen Nutzung zu
berücksichtigen. Besteht die Gefahr einer Belastung, müssen
Nahrungsmittel und Boden untersucht werden.
Flächen, die durch Belastungen betroffen sind, können für
den organisch-biologischen Landbau nur dann genutzt
werden, wenn sich die betreffenden Belastungen durch
geeignete Maßnahmen (z.B. Schutzpflanzungen) reduzieren
lassen. BIOLAND kann die Nutzung der Marke BIOLAND für
Produkte untersagen, die auf von Belastungen betroffenen
Flächen, Teilflächen oder Randflächen erzeugt werden.
Die Rodung von primären Ökosystemen ist verboten.

2.2.2 Ökologische Gestaltung

Um die Gesundheit und Widerstandskraft der Pflanzen zu
fördern, muss der Standort unter ökologischen Gesichtspunkten
gestaltet werden. Zum Beispiel durch die Anlage
und Erhaltung von Hecken, die Einrichtung von Nistplätzen
und die Gewährung von Unterschlupf für Insekten
sollen Nützlinge gefördert und die Selbstregulation im
Ökosystem verbessert werden.
2.3 Luft-, Boden- und Wasserschutz
Mit Wasser ist ressourcenschonend umzugehen, die
Auswirkungen von Wasserentnahmen müssen beobachtet
werden. Wo es möglich ist, soll Regenwasser aufgefangen
und genutzt werden. Kulturmaßnahmen dürfen nicht zur
Versalzung von Boden und Wasser führen.
Abdeckmaterialien wie Mulch- und Silofolien, Verfrühungsfolien,
Vliese, Kulturschutznetze etc. dürfen nur
dann verwendet werden, wenn sie auf Basis von
Polycarbonaten (z.B. Polyethylen, Polypropylen) hergestellt
worden sind. Gebrauchte Folien müssen wenn möglich
dem Recycling zugeführt werden. Es ist verboten,
Kunststoffe auf dem Feld zu verbrennen.

2.4 Überbetriebliche Nutzung von Maschinen und Geräten

Maschinen und Geräte, die auch in der konventionellen
Erzeugung eingesetzt werden (z.B. über Maschinenringe),
müssen sorgfältig entleert und gereinigt werden, bevor sie
auf BIOLAND-Betrieben zum Einsatz kommen. Hierzu
gehören auch mobile Mahl- und Mischanlagen für Futter.
2.5 Erneuerbare Energien
Ziel ist, dass Bioland-Betriebe Energie effizient einsetzen
und ein hoher Anteil dieser Energie aus erneuerbaren
Quellen stammt

2.5.1 Betrieb von Biogasanlagen und

Verwendung von Gärresten
Für Biogasanlagen auf Bioland-Betrieben und Gemeinschaftsanlagen,
an denen Bioland-Betriebe beteiligt sind,
gilt das Ziel, ausschließlich Fermentationsstoffe zu vergären,
die aus biologischer Erzeugung stammen.
Wenn Mais aus nicht-biologischer Erzeugung als Koferment in Biogasanlagen auf dem Bioland-Betrieb eingesetzt
wird, darf dieser nicht mit Neonicotinoiden als
Beizmittel behandelt worden sein. Nach Möglichkeit gilt
dieses auch für Gemeinschaftsanlagen.

2.5.1.1 Anforderungen an Biogasanlagen auf

Bioland-Betrieben

Biogasanlagen auf Bioland Betrieben müssen durch ein
Wärmenutzungskonzept und andere Maßnahmen einen
möglichst hohen energetischen Gesamtwirkungsgrad aufweisen.
Anzustreben ist ein Wirkungsgrad von mind. 70 %.
Anforderungen für Biogasanlagen, die bereits vor dem
1. Mai 2009 auf Bioland-Betrieben betrieben werden:
Es müssen mindestens 70 % der Fermentationsstoffe aus
biologischer Erzeugung stammen. Weitere Fermentationsstoffe
müssen in Anh. 10.1 (Zugelassene Bodenverbesserungs-
und Düngemittel sowie Substratbestandteile)
aufgeführt sein.
Für bestehende Anlagen kann durch BIOLAND eine Übergangsfrist
für die Verwendung von weniger als 70 % biologischer
Fermentationsstoffe genehmigt werden.
Die Betriebe haben bis 31.12.2010 einen individuellen
Maßnahmeplan zu erstellen, dass der Anteil an konventionellen
Fermentationsstoffen in kontinuierlichen Schritten
überprüfbar reduziert wird.
Anforderungen für neue Biogasanlagen auf Bioland-
Betrieben:
Für Betriebe, die ab Inkrafttreten dieser Richtlinie einen
Erzeugervertrag abschließen sowie für Bioland-Betriebe,
die ab 01. Mai 2009 eine Biogasanlage bauen, gilt:
Mindestens 70 % der Fermentationsstoffe müssen aus
biologischer Erzeugung stammen. Weitere Fermentationsstoffe
müssen in Anh. 10.1 (Zugelassene Bodenverbesserungs-
und Düngemittel sowie Substratbestandteile)
aufgeführt sein.
Die Betriebe müssen einen individuellen Maßnahmenplan
erstellen, aus dem ersichtlich ist, dass der Anteil an konventionellen
Fermentationsstoffen ab 1.1.2020 auf 0 %
reduziert werden soll (diese Regelung wird spätestens
2015 überprüft).
Für Gemeinschaftsanlagen, an denen sich ein Bioland-
Betrieb ab dem 1. Mai 2009 beteiligt, gelten die Regelungen
für neue Anlagen auf dem Bioland-Betrieb.

2.5.1.2 Anforderungen für die Verwendung

von Gärresten als Dünger

Allgemein
Gärreste dürfen nur dann auf Bioland-Flächen ausgebracht
werden, wenn alle Fermentationsstoffe, die in den
letzten 6 Monaten vor der Ausbringung in den Fermenter eingebracht worden sind, in Anh. 10.1 (Zugelassene
Bodenverbesserungs- und Düngemittel sowie Substratbestandteile)
aufgeführt sind.
Gärreste aus Anlagen auf dem eigenen Betrieb können als
Dünger ausgebracht werden, wobei zugekaufte
Fermentationsstoffe in die Berechnung der zugelassenen
Nährstoffmengen (siehe 3.4.4) einbezogen werden müssen
und hierdurch begrenzt sind.
Für Gärreste aus Gemeinschaftsanlagen, an denen der
Bioland-Betrieb beteiligt ist, gilt:
Bioland-Betriebe dürfen die äquivalente Nährstoffmenge,
die sie in die Anlage hineingegeben haben, als Gärreste
zurückgenehmen und auf ihre Betriebsflächen ausbringen.
Zusätzliche Nährstoffmengen sind unter Beachtung der
generellen Begrenzung der zugelassenen Zukaufnährstoffmengen
(siehe 3.4.4) einsetzbar.
Wurden in den letzten 6 Monaten vor der Ausbringung
weniger als 70 % ökologisch erzeugte Fermentationsstoffe
eingesetzt, kann die äquivalente Nährstoffmenge, maximal
jedoch 0,5 DE/ ha, als Gärrest ausgebracht werden, ebenfalls
unter Beachtung der generellen Begrenzung der
zugelassenen Zukaufnährstoffmengen (siehe 3.4.4).
Für Gärreste aus sonstigen Anlagen gilt:
Gärreste aus sonstigen Anlagen dürfen unter Beachtung
von 3.4.4 als Düngemittel nur eingesetzt werden, wenn
mindestens 70 % der Fermentationsstoffe aus ökologischer
Erzeugung stammen.
Aus sonstigen Anlagen, bei denen weniger als 70% der
Fermentationsstoffe aus ökologischer Erzeugung stammen,
können Bioland-Betriebe auf Grundlage eines
Abnahme- und Liefervertrags bis längstens 31.12.2014 die
äquivalente Nährstoffmenge, die sie in die Anlage hineingegeben
haben, als Gärreste zurücknehmen und auf ihre
Betriebsflächen ausbringen, maximal jedoch 0,5 DE/ha.

2.6 Soziale Verantwortung

Die Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und
soziale Gerechtigkeit sind Grundlagen für die Erzeugung
und Herstellung von BIOLAND-Produkten.
Für alle auf BIOLAND-Betrieben arbeitenden Personen
gelten die gesetzlichen Bestimmungen des Sozial- und
Arbeitsrechts. Wenn die Erzeugung auf groben Fällen
sozialer Ungerechtigkeit basiert, ist die Verwendung der
Marke BIOLAND nicht gestattet.
Den Menschen, die auf einem BIOLAND-Betrieb arbeiten,
erfahren Chancengleichheit unabhängig von Rasse, Glauben
und Geschlecht.
Die Mitarbeit von Kindern ist nur für eine ihrer Entwicklung
angemessene Tätigkeit, unter der Aufsicht von
Verantwortlichen sowie unter Beachtung der gesetzlichen
Vorschriften gestattet.

3 Pflanzenbau

3.1 Bodenfruchtbarkeit

Die Pflege des Bodenlebens und somit die Erhaltung und
Steigerung der Bodenfruchtbarkeit ist ein besonderes
Anliegen des organisch-biologischen Landbaus. Ein gesunder,
belebter Boden ist die beste Voraussetzung für gesunde
Pflanzen, gesunde Tiere und gesunde Menschen. Alle
pflanzenbaulichen Maßnahmen sollen dem Aufbau und
der Pflege eines vielfältigen und aktiven Bodenlebens dienen.
Nur die Belebtheit des Bodens ermöglicht die nachhaltige
Fruchtbarkeit.

3.2 Fruchtfolge

Die Fruchtfolge ist so vielseitig und ausgewogen zu
gestalten, dass sie folgende Funktionen erfüllt:
 die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
 das Hervorbringen gesunder Pflanzen
 die Unterdrückung von Ackerwildkräutern
 die Ernährung der Tiere mit hofeigenen Futtermitteln
 das Erzielen von wirtschaftlich sinnvollen Erträgen
ohne Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln.
Um diese Funktionen zu erfüllen, müssen Fruchtfolgen
Leguminosen als Haupt- oder Zwischenfrucht oder in
Mischkulturen enthalten.

3.3 Bodenbearbeitung

Ziel der Bodenbearbeitung ist die Schaffung optimaler
Wachstumsbedingungen für die Kulturpflanzen. Bei allen
Maßnahmen der Bodenbearbeitung ist die Verträglichkeit
für das Bodenleben zu bedenken. Die Bodenbearbeitung
muss so durchgeführt werden, dass eine übermäßige
Störung des natürlichen Bodengefüges, Nährstoffverluste
und unnötiger Energieaufwand vermieden werden.

3.4 Düngung und Humuswirtschaft

3.4.1 Grundsätze

Ziel der Düngung ist die harmonische Ernährung der
Kulturpflanzen durch einen belebten Boden. Aus dem
Betrieb stammendes organisches Material bildet die
Grundlage der Düngung. Es wird meist auf dem Wege der
Flächenkompostierung dem Boden zugeführt. Wirtschaftsdünger Wirtschaftsdünger
müssen so aufbereitet und ausgebracht
werden, dass das Bodenleben gefördert und der Humusgehalt
erhalten bzw. erhöht wird.

3.4.2 Erlaubte betriebsfremde Dünger

Zur Ergänzung der wirtschaftseigenen Dünger und zum
Ausgleich von Nährstoffverlusten aus dem Betriebskreislauf
können betriebsfremde Wirtschaftsdünger sowie
organische und mineralische Handelsdünger eingesetzt
werden, soweit sie unter 10.1 aufgeführt sind.
Grundsätzlich darf die Löslichkeit mineralischer Dünger
nicht durch chemische Behandlungen erhöht werden.
Wirtschaftsdünger von konventionellen Betrieben müssen
einer sorgfältigen Kompostierung unterzogen werden. Sie
dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn sie vom
Schadstoffgehalt unbedenklich sind. Gegebenenfalls kann
eine Qualitätsuntersuchung verlangt werden.
Spurenelemente dürfen nur dann eingesetzt werden,
wenn der nachgewiesene Mangel durch andere Maßnahmen
nicht zu beheben ist.

3.4.3 Nicht zugelassene Dünger

Der Einsatz von Gülle, Jauche und Geflügelmist aus konventioneller
Tierhaltung sowie von Gärresten aus Biogasanlagen,
die nur mit konventionellen Fermentationsstoffen
betrieben werden, ist verboten. Ferner ist die Verwendung
von chemisch synthetischen Stickstoffdüngemitteln,
leicht löslichen Phosphaten und sonstigen, in
10.1 nicht aufgeführten Düngemitteln untersagt.
3.4.4 Mengenbegrenzung
Bezogen auf den N-Gehalt darf die Gesamtmenge organischer
Dünger das Äquivalent von 1,4 DE pro ha und Jahr
nicht überschreiten. Davon darf maximal ein Äquivalent
von 0,5 DE pro ha und Jahr betriebsfremder organischer
Dünger sein. (DE: Dungeinheiten, siehe Anhang 10.3)
Für den Gartenbau und Dauerkulturen gelten die Bestimmungen
des Kapitels 5. Bei der Bemessung der Düngung
müssen Bodenvorräte mitberücksichtigt werden.

3.4.5 Qualitätserzeugung und Umweltverträglichkeit

Die Düngung ist in Abstimmung auf den Standort und auf
die jeweilige Kultur so zu gestalten, dass die Qualität der
Erzeugnisse (ernährungsphysiologischer Wert, Geschmack,
Haltbarkeit) insbesondere durch die Höhe der Stickstoffdüngung
nicht nachteilig beeinträchtigt wird. Im Hinblick
auf Art, Höhe und Zeitpunkt der Düngung müssen Bodenund
Gewässerbelastung durch Schadstoffe (z.B. Schwermetalle
und Nitrat) vermieden werden.

3.4.6 Klärschlamm und Komposte

Der Einsatz von Klärschlamm, Müllkompost und Bio-
Kompost aus Getrenntsammlungen ist verboten. Grüngut-
Komposte und Torfersatzstoffe (z.B. Rindenprodukte) dürfen
nur nach vorheriger Analyse auf Schadstoffe sowie
nach Rücksprache mit BIOLAND angewandt werden.

3.5 Saatgut, Jungpflanzen und Pflanzgut

3.5.1 Grundsätze

Im Anbau sollen Pflanzenarten und Sorten verwendet werden,
die für die jeweiligen Standortbedingungen am besten
geeignet, wenig krankheitsanfällig und von hoher
ernährungsphysiologischer Qualität sind.
Im landwirtschaftlichen Bereich sollen landesübliche
Sorten gegenüber Hybriden vorgezogen werden.
Die Verwendung von CMS-Hybriden, die aus Cytoplastenfusion
hervorgegangen sind, ist im Gemüsebau nicht
zulässig.

3.5.2 Ökologisch erzeugtes Saat- und Pflanzgut

Wenn zertifiziertes Saat- und Pflanzgut geeigneter Sorten
aus ökologischer Vermehrung zur Verfügung steht, muss
dieses verwendet werden. Andere Herkünfte bedürfen
einer Ausnahmegenehmigung durch BIOLAND.

3.5.3 Saatgutbehandlung

Saat- und Pflanzgut darf nach der Ernte nicht mit chemisch-
synthetischen Pflanzenschutzmitteln (z.B. Beizmitteln)
behandelt worden sein.
Bei der Verwendung von konfektioniertem Saatgut (pilliertes
Saatgut, Saatgutplatten usw.) ist darauf zu achten,
dass die verwendeten Materialien im Sinne dieser Richtlinie
unbedenklich sind.

3.5.4 Jungpflanzen

Die im Betrieb benötigten Jungpflanzen müssen selbst
angezogen oder von anderen Betrieben des BIOLANDVerbandes,
wenn hier nicht verfügbar gemäß den Vorgaben
von BIOLAND von anderen Bio-Betrieben zugekauft
werden.
Anzuchterden dürfen max. 80 Vol.-Prozent Torf enthalten.
Torfersatzstoffe müssen schadstoffarm und ökologisch
verträglich sein.

3.5.5 Pflanzgut für Dauerkulturen

Pflanzgut muss aus BIOLAND-Baumschulen bzw.
-Vermehrungsbetrieben, wenn hier nicht verfügbar gemäß
den Vorgaben von BIOLAND von anderen Bio-Betrieben
zugekauft werden, wenn dort gewünschte Sorten und
geeignete Qualitäten zur Verfügung stehen. Andere Herkünfte
bedürfen der Genehmigung durch BIOLAND.
Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für konventionelles
Pflanzgut bei Kernobst setzt die Beachtung der
BIOLAND-Vorgaben, besonders die Einhaltung der Vorbestellungsfristen,
voraus.

3.6 Pflanzenschutz

3.6.1 Grundsätze

Ziel des organisch-biologischen Landbaus ist es, Pflanzen
unter solchen Bedingungen zu erzeugen, dass ein Befall
durch Schädlinge und Krankheiten keine oder nur geringe
wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Entsprechende Maßnahmen
hierzu sind ausgewogene Fruchtfolge, geeignete
Sortenwahl, standort- und zeitgerechte Bodenbearbeitung,
mengenmäßig und qualitativ angepasste Düngung,
Gründüngung usw. Außerdem soll durch geeignete Vorrichtungen
und Maßnahmen wie Hecken, Nistplätze,
Feuchtbiotope usw. die Vermehrung von Nützlingen gefördert
werden.

3.6.2 Erlaubte Maßnahmen

Spezielle Bekämpfungsmaßnahmen dürfen nur mit Mitteln
durchgeführt werden, die unter 10.2 aufgeführt sind. Sie
sind erst dann einzusetzen, wenn alle Maßnahmen zur
Aktivierung der boden- und pflanzeneigenen Abwehrkräfte
und zur Standortgestaltung ausgeschöpft sind.
Bei der Verwendung von Pflanzenbehandlungsmitteln
gelten die gesetzlichen Bestimmungen.

3.6.3 Verbote

Die Verwendung von synthetischen Pestiziden und Wachstumsregulatoren
ist untersagt.

3.7 Beikrautregulierung

3.7.1 Grundsätze

Die Regulierung der Beikräuter erfolgt durch vorbeugende
Maßnahmen (z. B. Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Sortenwahl),
mechanische Maßnahmen (z. B. Eggen, Striegeln,
Hacken) und thermische Maßnahmen (z. B. Abflammen).

3.7.2 Herbizidverbot

Die Verwendung von Herbiziden ist untersagt.
3.8 Wildsammlung
Das Sammeln von essbaren Wildpflanzen oder ihrer Teile,
die in der freien Natur und in Wäldern natürlicherweise
vorkommen und bei denen der einzige Eingriff des Menschen
in der Ernte (Sammlung) der Produkte besteht, gilt
als Wildsammlung, sofern folgende Bedingungen eingehalten
werden:
 Das Sammelgebiet muss abgrenzbar sein. Es muss mit
Kataster- oder Flurplänen (ggf. Zeichnungen) eindeutig
definiert sein.
 Die Sammlung in Gebieten außerhalb des Betreuungsgebietes
von BIOLAND ist nur mit Genehmigung gestattet.
 Das Sammelgebiet darf nicht dem direkten Einfluss von
Schadstoffimmissionen unterliegen.
 Die Flächen dürfen in den drei Jahren vor dem Sammeln
nicht mit Mitteln, die nach diesen Richtlinien unzulässig
sind (Anhang 10.1 und 10.2), behandelt worden sein.
Dies ist durch geeignete Nachweise zu belegen.
 Das Sammeln darf die Stabilität des natürlichen Habitats
und die Erhaltung der Arten im Sammelgebiet nicht beeinträchtigen.
Diese Produkte dürfen mit der Marke BIOLAND gekennzeichnet
werden und sind mit dem Zusatz „… aus
Wildsammlung“ (bei Verarbeitungsprodukten im
Zutatenverzeichnis) zu versehen.

4 Tierhaltung

4.1 Bedeutung der Tierhaltung

im organisch-biologischen Betrieb
Die Tierhaltung ist ein sinnvolles Bindeglied im Betriebskreislauf.
Für die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden
der Tiere sind eine artgerechte Haltung sowie eine
fürsorgliche Betreuung durch den Menschen Voraussetzung.
Mit Hilfe der Tiere werden die auf dem Betrieb anfallenden
Futterstoffe zur Erzeugung hochwertiger Lebensmittel
genutzt.
Die Tierhaltung ist so zu gestalten, dass eine verlustarme
Erzeugung, Lagerung und Ausbringung der in der Tierhaltung
anfallenden wirtschaftseigenen Dünger gewährleistet
ist. Diese dienen der Erhaltung und dem Aufbau der
Bodenfruchtbarkeit im Betrieb.

4.2 Haltungsanforderungen

4.2.1 Allgemeines

4.2.1.1 Grundsatz

Eine artgerechte Haltung der Tiere muss das Ziel auf
jedem Betrieb sein. Das bedeutet, dass das arteigene Verhalten
wie das Bewegungs-, Ruhe-, Nahrungsaufnahme-,
Sozial-, Komfort- und Fortpflanzungsverhalten weitestgehend
ermöglicht wird.
Zur Förderung von Robustheit und Vitalität sollen die
Tiere sich häufig mit Witterung und Klima des Standortes
auseinandersetzen können.
Zu einer artgerechten Haltung gehören während des
gesamten Jahres ausreichender Bewegungs- und Ruheraum,
natürliches Licht, Schatten, Windschutz, frische
Luft und frisches Wasser.
Die Haltungsgebäude müssen entsprechend der Tierart ein
angemessenes Stallklima bieten, u.a. in Bezug auf Temperatur,
Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Staubbelastung
und Konzentration von schädlichen Gasen.
Auslauf und/oder Weidegang ist für alle Nutztiere vorgeschrieben
(bei bestehenden Stallgebäuden Übergangsfrist
bis 2010 für Geflügel und Schweine mit Genehmigung
durch BIOLAND möglich, siehe 9.4).
Haltungsbedingte Verletzungen und Krankheiten müssen
vermieden werden.
Herdentiere dürfen nicht einzeln gehalten werden. Eine
Einzelhaltung ist nur für männliche Zuchttiere, im Krankheitsfall,
gegen Ende der Trächtigkeitszeit und in Kleinbeständen
zulässig. Nutztiere müssen gegen Raubtiere ausreichend geschützt
werden.

4.2.1.2 Flächenanforderungen

Die Flächenanforderungen für den Innen- und Außenbereich
des Haltungssystems sind für jede Tierkategorie in
Anhang 10.6 aufgeführt (bei bestehenden Stallgebäuden
Übergangsfrist bis 2010 mit Genehmigung durch BIOLAND
möglich, siehe 9.4). Für die Haltung von Dam- und
Rotwild gelten die Vorgaben in 4.2.7.
Bei Haltungssystemen für Säugetiere mit nicht eindeutiger
Trennung zwischen Innen- und Außenbereich müssen
die Flächenanforderungen in der Summe erfüllt sein.
Bei Haltungssystemen für Wiederkäuer und Pferde mit
Laufstallhaltung und Sommerweidegang kann die Flächenanforderung
für den Außenbereich gem. 10.6 im
Winter entfallen. Zur Berechnung der Stallfläche können
in diesem Fall auch ständig zugängliche, befestigte, nicht
überdachte Stallflächen berücksichtigt werden.
In Gebieten mit geeigneten Klimaverhältnissen, die es
erlauben, dass die Tiere ganzjährig im Freien leben, sind
keine Stallungen vorgeschrieben.

4.2.1.3 Lauf- und Liegeflächen

Ställe mit vollständig perforierten Bodenflächen (Vollspaltenböden,
Flatdecks, Käfige) sind nicht zugelassen.
Die Schlitz- und Lochweiten bei perforierten Böden sind
an die Tiergröße anzupassen. Spaltenböden müssen in
technisch einwandfreiem Zustand sein. Flächenspalten
sind zu bevorzugen.
Der überwiegende Teil der zugänglichen Bewegungs- und
Ruhefläche für jede Säugetierkategorie muss aus einer
geschlossenen Bodenfläche (keine Spaltenböden) bestehen.
Die Lauffläche muss rutschfest und trittsicher sein.
Ein weicher, trockener und sauberer Liegebereich ist für
Wiederkäuer, Schweine, Pferde und Kaninchen jederzeit
durch ausreichende Einstreu (i. d. R. Stroh) zu gewährleisten.
Stroh zur Einstreu soll, soweit verfügbar, aus dem eigenen
Betrieb oder aus anderen Öko-Betrieben stammen. Konventionelles
Einstreustroh sollte auf Flächen mit geringer
Bewirtschaftungsintensität erzeugt worden sein.

4.2.1.4 Beurteilung von Haltungssystemen

Als Orientierungshilfe zur Beurteilung der Tiergerechtheit
der Haltung kann der Tiergerechtheitsindex (TGI) herangezogen
werden.
Neu- und Umbauten in der Tierhaltung sollen dem neuesten
Wissensstand über die artgerechte Tierhaltung entsprechen.
Bei Neu- und Umbauten hat bei der Planung eine Abstimmung
mit BIOLAND zu erfolgen.

4.2.1.5 Auslaufzugang und -pflege

Zugang zum Auslauf oder zur Weide muss immer dann
gewährt werden, wenn der physiologische Zustand der
Tiere, die klimatischen Bedingungen und der Bodenzustand
dies gestatten.
Die Besatzdichte darf auf Freiflächen nicht dazu führen,
dass der Boden – außer an Futter- und Tränkestellen –
zertrampelt wird. Eine Überweidung ist zu vermeiden.

4.2.1.6 Bau und Betrieb von Stallgebäuden

Bei Bau und Betrieb von Stallgebäuden ist auf ökologische
Belange Rücksicht zu nehmen. Gesundheits- und umweltgefährdende
Stoffe sind bei den Baumaterialien und deren
Behandlung nach Möglichkeit zu vermeiden.
Heimische Baumaterialien sind zu bevorzugen.
Der Einsatz nicht regenerativer Energieträger ist beim Bau
und Betrieb von Ställen möglichst zu verringern.

4.2.2 Rinderhaltung

4.2.2.1 Milchvieh- und Mutterkuhhaltung

Kühe erhalten mindestens während des Sommerhalbjahres
Weidegang oder, wenn keine beweidbaren Flächen zur
Verfügung stehen, Auslauf im Freien. Freies Abkalben
unter hygienisch einwandfreien Bedingungen ist zu
ermöglichen.

4.2.2.1.1 Laufstallhaltung

Laufställe, die den Kühen die dauernde Möglichkeit zur
freien Bewegung geben, sind anzustreben. Sackgassen und
Engpässe im Stall sollen vermieden werden.
Ein ganzjähriger Auslauf im Freien ist dann vorgeschrieben,
wenn im Sommer kein Weidegang erfolgt, weil keine
beweidbaren Flächen zur Verfügung stehen.
Auch im Winter ist nach Möglichkeit ein regelmäßiger
Auslauf im Freien anzubieten.
In Laufställen muss für jedes Tier ein Liege- und ein Fressplatz
zur Verfügung stehen. Eine geringfügige Verringerung
der Anzahl der Fressplätze ist bei ständiger Verfügbarkeit
von Futter (Vorratsfütterung) mit Genehmigung
durch BIOLAND möglich.
Liegeboxen müssen durch ihre Maße und Ausführung ein
artgerechtes Abliegen und Aufstehen ermöglichen.

4.2.2.1.2 Anbindehaltung

Die Anbindehaltung in Verbindung mit Sommerweide
oder, wenn keine beweidbaren Flächen zur Verfügung stehen,
regelmäßigem Auslauf, ist während einer Übergangsfrist
bis 2010 in bestehenden Stallgebäuden mit
Genehmigung durch BIOLAND (siehe 9.4) möglich.
Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Kontrollbehörden
ist die Anbindehaltung für kleine Bestände möglich, sofern die Kühe während der Weidezeit Zugang
zu Weideland und mindestens zweimal wöchentlich
Auslauf erhalten, wenn das Weiden nicht möglich ist.
Die Anbindehaltung für einzelne Tiere aus Sicherheitsund
Tierschutzgründen ist mit Genehmigung durch
BIOLAND möglich, sofern sie zeitlich begrenzt ist.
Standbreite, Standlänge, Anbindetechnik und Trogkantengestaltung
müssen ein artgerechtes Aufstehen, Abliegen und
Fressen sowie eine ausreichende Körperpflege ermöglichen.
Die Kühe müssen vollständig auf der planbefestigten und
ausreichend eingestreuten Standfläche stehen und liegen
können.
Starre Halsrahmen und straff gespannte Ketten oder
Nylongurte sind nicht zugelassen.
Kuhtrainer sind verboten.

4.2.2.2 Zucht- und Mastrinderhaltung

Alle Zucht- und Mastrinder sollen die Möglichkeit haben,
sich ganzjährig frei zu bewegen.
Während der Vegetationszeit ist Weidehaltung anzustreben.
Wenn keine beweidbaren Flächen zur Verfügung stehen,
müssen Zucht- und Mastrinder ganzjährig in Laufställen
mit Auslauf im Freien gehalten werden.
Während der Endmast ist bei Mastrindern für max. 1/5 der
Lebenszeit und auf jeden Fall nicht länger als 3 Monate
die Stallhaltung ohne Auslauf zulässig.
Anbindehaltung ist nur für über ein Jahr alte Zucht- und
Mastrinder zugelassen, sofern während der Vegetationszeit
Weidegang erfolgt. In diesem Fall gelten die
Regelungen von 4.2.2.1.2 entsprechend.

4.2.2.3 Kälberhaltung

Die Kälber sollen nach der Geburt mindestens einen Tag
bei der Mutter bleiben. Ab der zweiten Lebenswoche müssen
die Kälber bei entsprechender Bestandsgröße in
Gruppen gehalten werden. Bei Hütten-/Igluhaltung mit
großzügiger Bewegungsmöglichkeit und Sozial- und
Blickkontakt gilt dies ab der sechsten Lebenswoche.
Die Anbindehaltung von Kälbern und unter einem Jahr
alten Jungrindern ist nicht erlaubt.

4.2.3 Schweinehaltung

Schweine müssen einen Auslauf erhalten (bei bestehenden
Stallgebäuden Übergangsfrist bis 2010 mit Genehmigung
durch BIOLAND möglich).
Schweine müssen außer im späten Trächtigkeitsstadium
und während der Säugezeit bei Sauen in Gruppen gehalten
werden.
Die Anbindung von Sauen ist ausgeschlossen.
Eine Fixierung ist nur bei Problemsauen während und
nach dem Abferkeln möglich.
Während der Endmast ist bei Schweinen für max. 1/5 der
Lebenszeit und auf jeden Fall nicht länger als 3 Monate
die Stallhaltung ohne Auslauf zulässig (befristet bis
31.12.2010).
Während des Sommerhalbjahres ist für Zuchtschweine,
soweit möglich, Weidegang durchzuführen. Die Weide soll
mit Schattenbereich und Suhle ausgestattet sein.
4.2.4 Schaf- und Ziegenhaltung
Die Ställe müssen als Laufställe ausgeführt sein.
Während der Vegetationszeit ist Weidehaltung anzustreben.
Wird kein Weidegang gewährt, müssen Schafe und Ziegen
ganzjährig in Laufställen mit Auslauf im Freien gehalten
werden.
Während der Endmast ist bei Mastlämmern für max. 1/5
der Lebenszeit und auf jeden Fall nicht länger als 3 Monate
die Stallhaltung ohne Auslauf zulässig (befristet bis
31.12.2010).
4.2.5 Geflügelhaltung
4.2.5.1 Legehennenhaltung
4.2.5.1.1 Stall
Die Unterbringung im Stall erfolgt in Boden- oder
Volierenhaltungssystemen mit Auslauf.
Die einzelnen Ställe mit max. 3000 Legehennen müssen
vollständig getrennt sein (Futterkette, Eierbänder,
Entmistung, Lüftung etc.), um einen eventuell vorhandenen
Infektionsdruck und/oder eine Verseuchung mit
Parasiten zu verhindern, sowie ein nachhaltiges Grünauslaufmanagement
zu gewährleisten (bei bestehenden
Stallgebäuden Übergangsfrist bis 2010 mit Genehmigung
durch BIOLAND möglich, siehe 9.4). Es dürfen max. 6000
Hennen in einem Gebäude gehalten werden.
Pro qm vom Tier begehbare Bewegungsfläche im Stall
dürfen bis 6 Tiere gehalten werden.
Für den Tierbesatz anrechenbare Bewegungsflächen müssen
folgende Bedingungen erfüllen:
 Mindestens 30 cm breit.
 Maximale Neigung 14 %.
 Bei Gitterböden ist eine minimale Drahtstärke von
2 mm einzuhalten.
 Die lichte Höhe zwischen den übereinanderliegenden
Etagen oder Sitzstangen beträgt mindestens 45 cm.
 Der befestigte Boden muss mit geeignetem Einstreumaterial
in genügender Höhe eingestreut sein.
 Legenester, deren Anflugroste und erhöhte Sitzstangen
sind keine Bewegungsflächen und können deshalb nicht
für den Tierbesatz mitgerechnet werden.
Eine Besatzdichtenerhöhung im Stallinnenbereich kann
vorgenommen werden, wenn der Außenklimabereich als integrierter Außenklimabereich genutzt wird. Dies ist der
Fall, wenn
 er während der ganzen Aktivitätszeit (Hellphase, natürliches
und künstliches Licht) für die Tiere über alle Stallöffnungen
zugänglich ist;
 er bedacht ist, über automatische Schieber-/ Klappenöffnungen,
Beleuchtung, Einzäunung und Windschutzmöglichkeiten
verfügt (nur bei sehr tiefen Temperaturen
und Starkwind kann die Anzahl der Stallöffnungen
reduziert werden);
 der ganze für den Tierbesatz anrechenbare Außenklimabereich
mit Sand o.ä. eingestreut ist;
 er eine Höhe von mind. 2 m hat;
 er sich auf der gleichen Ebene wie der Stall befindet;
der Niveauunterschied vom Stall zum Außenklimabereich
darf max. 50 cm hoch sein (bei stärkeren Niveauunterschieden
kann durch vorgebaute Balkone und
Steig- und Abgangshilfen eine ausreichende Zirkulation
der Tiere erreicht werden).
Bezogen auf die Stallgrundfläche beträgt der max. Tierbesatz
in Volierenställen 12 Tiere je qm.
In Ställen mit integriertem Außenklimabereich können
nachts max. 8 Legehennen je qm begehbarer Fläche im
Stallinnenbereich gehalten werden, in Volierenställen gilt
für diesen Fall gleichzeitig die zusätzliche Anforderung,
dass max. 15 Tiere je qm Stallgrundfläche gehalten werden
dürfen.
Der Stall muss so angelegt sein, dass die Tiere mit möglichst
wenig Kot in Kontakt kommen. Die verschiedenen
für die Hennen zugänglichen Ebenen müssen so angeordnet
sein, dass kein Kot auf die darunter gelegenen Ebenen
durchfallen kann.
Mindestens 1/3 der Bewegungsfläche der Tiere im Stall muss
als eingestreute Scharrfläche zur Verfügung stehen. In
Ställen mit integriertem Außenklimabereich gilt dieses
Drittel für den Stallinnenbereich. Die Einstreu ist mind. 5 cm
tief und muss locker, trocken und sauber gehalten werden.
Der Stall ist mit Tageslicht ausreichend zu beleuchten. Die
Fensterflächen müssen mind. 5 % der Stallgrundfläche
ausmachen. Die Tageslänge darf auf max. 16 Stunden mit
Kunstlicht verlängert werden.
Der angebotene Futterplatz, die Futtergeschirre und die
Einstreuflächen für die Körnergabe müssen so gestaltet
sein, dass alle Tiere gemeinsam fressen können.
Die Tiere sollen von einer offenen Wasserfläche Wasser
aufnehmen können. Den Tieren steht stets sauberes,
frisches Trinkwasser zur Verfügung.
Pro Tier müssen 18 cm Sitzstange zur Verfügung stehen.
In Kotgrubenställen müssen mind. 1/3 der Sitzstangen um
mind. 45 cm erhöht sein. Der Querschnitt der Sitzstangen
beträgt mindestens 30 x 30 mm, die oberen Kanten sind
abgerundet. Für die anrechenbare Sitzstangenlänge werden
nur Sitzstangen gerechnet, welche mind. 30 cm hori